Erdbeben in Japan
Japan liegt in einer der aktivsten Erdbebenzonen der Welt. Kleine Erdbeben sind in Japan nichts besonderes. Während besonders aktiven Phasen können kleine, bemerkbare Erdbeben fast täglich auftreten. Eine wirksame Erdbebenvorhersage ist den Wissenschaftlern bisher trotz aller Anstrengungen noch nicht gelungen. Japan zählt zu den am meisten gefährdeten Regionen der Welt. Dem japanischen Volksglauben nach bestraft der riesenhafte Katzenfisch Namazu, der tief in der Erde lebt, die Menschen für ihr lasterhaftes Leben, indem er durch seine Bewegungen die Erde erschüttern lässt.
 
Das grosse Kantô-Erdbeben von 1923
 
In der ersten Septemberwoche 1923 traf eine ganze Serie von schweren Erdbeben Tôkyô und Yokohama.

Schwere Erdbeben sind in Japan nichts neues, aber noch kein Beben zuvor hatte so viele Opfer gefordert und Schaden angerichtet wie das grosse Beben von 1923. Epizentrum war die Sagami Bucht, die Nachbarbucht der Tokyo Bucht und betraf eine Gegend von 322 Kilometer entlang der Pazifik Küste und viele Kilometer ins Landesinnere. 
 

Die hier gezeigten Bilder stammen von August Kengelbacher. Sie wurden uns freundlicherweise von Peter Kengelbacher zur Verfügung gestellt.
 
Tokyo war schon 1923 die am dichtesten besiedelte Region Japans. Tôkyô war 1920 die sechst grösste Stadt der Welt, da durch die Eingemeindung aller Kleinstädte im Umkreis von 10 Meilen zum Imperialen Palast die Einwohnerzahl auf über fünf Millionen Einwohner angestiegen war.
 

 
Sowohl in Yokohama, welches bis auf wenige Gebäude völlig zerstört wurde, als auch in Tôkyô, waren es Feuer und Explosionen von Gastanks, die so viele Menschenleben forderten.

Ingesamt 60% Tôkyôs wurden durch die Beben zerstört, von denen das Beben am 1.September mit 5 Minuten bei einem Ausschlag von 7,9 auf der Richterskala am Längsten dauerte. 
Feuer war für grosse Städte, die zur damaligen Zeit zu einem grossen Teil noch mit Holzhäusern bebaut waren, eine riesige Gefahr.

Um eine Flucht zu ermöglichen,  wurden in Japan Möbel mit Rädern (Kuruma Tansu) ausgestattet, um bei Gefahr die Möbel mit den wertvollen Inhalten in Sicherheit bringen zu können. 

Ukiyo-e Holzdrucke zeigen Träger mit ihren Lasten während der Edo-Zeit.

 


Die Zerstörungsgewalt des Bebens von 1923 war unglaublich gross, so wurden nicht nur ein grosser Teil der Häuser zerstört, sondern auch die Infrastruktur wie Gas- Strom- und Wasserleitungen.

Strassen, wie auch die Schienen der Eisenbahnen, wurden für lange Zeit unbrauchbar. Es dauerte sieben Jahre bis die Strassen wieder hergerichtet waren. 

 

Die unmittelbaren Folgen

Die öffentliche Ordnung brach völlig zusammen. Es kam zu Plünderungen. Es kreisten Gerüchte, dass die Koreaner die Brunnen vergiftet hätten.

Daraufhin wurden mehrere hundert, vielleicht sogar Tausende von Koreanern erschlagen. Ausserdem wurden Anarchisten und Kommunisten von aufgebrachten Zivilisten verfolgt und ermordet. Auch die Polizei verhaftete und ermordete vielen dieser Gruppen.
 
Nach einer Woche hatte sich die Lage wieder etwas beruhigt, da kam das wichtigste Signal zum Wiederaufbau vom Kaiser: In einem kaiserlichen Edikt vom 12.9.1923 heisst es: "Tokyo soll wie bisher Hauptstadt bleiben; deshalb soll es wiederaufgebaut werden und dabei gilt es nicht nur Altes wieder herzustellen, sondern eine neue Ordnung zu schaffen, die eine Entwicklung in die Zukunft ermöglicht."

Der Wiederaufbau

Nach dem kaiserlichen Edikt vom 12.9.1923 kam es zu einem umfassenden Wiederaufbauprogramm. Die wichtigsten Massnahmen:

1. Schuldenmoratorium, das Schulden aus der Kanto-Ebene zunächst aussetzte.
2. Ausgabe von Erdbeben Anleihen , im Wert von 430 Millionen Yen für den Wiederaufbau

Die Wiederaufbauprogramme beliefen sich insgesamt auf 1,5 Milliarden Yen und liefen 5-8 Jahre lang.

Es kam in vielen Bereichen zu umfassenden Neuordnungen und Umstrukturierungen. Die Neuordnung des Strassensystems, Wiederherstellung der Kanäle und Brücken, Anlage von Grünflächen, Aufbau der zentralen Grossmarkthalle Tsukiji, die Errichtung von 106 Volksschulen, von Hospitälern, Wasserwerken, Verkehrseinrichtungen, nicht zuletzt auch die Aufschüttung von Küstenland wirkten sich belebend auf alle Industriezweige aus. Der Aufbau des zerstörten Tokyo konnte 1930, sieben Jahren nach dem Erdbeben, als vollendet gelten.


Wie entstehen in Japan Erdbeben?
 

Wissenschaftlich lässt sich das häufige Aufkommen von Erdbeben erklären. Die Eurasische, die Philippinische und die Pazifische Platte treffen unter dem japanischen Inselstaat aufeinander und erzeugen ständig Spannungen, wenn sie aneinander vorbeischieben. Wenn die Spannung zu gross wird, bricht das Gestein des Bodens und schiebt sich entlang einer Spalte an eine neue Position, wobei teilweise Gestein unter oder über eine der tektonischen Platten geschoben werden. Das Zerbrechen und Verschieben von Gesteinsschichten entlässt Energie, die sich in wellenförmigen Vibrationen, seismische Wellen genannt, von dem Fokus des Bruchs wegbewegen. Dabei unterscheidet man zwei Arten seismischer Wellen: Bodenwellen, die sich in hoher Geschwindigkeit durch das Erdreich bewegen und die langsameren Oberflächenwellen, die auch Tsunamis (Flutwellen) verursachen können.
 
Seismische Wellen, die sich durch den Boden entlang einer Spalte durch sich ausbreitende Risse fortsetzen, bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 3,2 Kilometer/ Sekunde. Dies veranschaulicht die Energie die in einem solchen Erdbeben steckt. Innerhalb einer kurzen Zeit, wie bei dem Kantô-Erdbeben in Kobe von 1995, entstehen gewaltige Schäden. Die bei der tektonischen Plattenverschiebung freigesetzte Energie kann bis zu 10.000 mal grösser sein, als vergleichsweise die Energie der Atombombe, die am 6.August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde.


Tsunami, die grosse Welle im Hafen


Katsushika Hokusai " Die grosse Woge"
Aus der Serie der 36 Ansichten des Fudschijama
Farbholzschnitt, 1823 - 1829 

Eine gefährliche Begleiterscheinung von Erdbeben sind sogenannte Tsunami. Das Wort Tsunami stammt aus dem Japanischen und bedeutet "grosse Welle".

Sturmfluten die sich mit Wellen von mehr als 10 Meter Höhe und hoher Geschwindigkeit auf die Küste zu bewegen. Bei dem Kantô-Erdbeben von 1923 hatte eine 11 Meter hohe Sturmflut die unweit von Tôkyô liegende Insel Enoshima vollständig unter Wassermassen begraben.  Ukiyo-E Künstler wie Hokusai haben Tsunamis bereits im 19. Jahrhundert dargestellt.

Erdbebenvorhersage
 
Die wohl bekannteste Theorie stammt von Kawasumi Hiroshi. Er hat alle Erdbeben in Tokyo seit dem Jahr 818 n.Chr. mit einer Stärke von >5 analysiert und festgestellt, dass durchschnittlich alle 69 Jahr ein grösseres Erdbeben stattfindet. Demnach müsste das nächste grosse Beben 1992 stattgefunden haben. Allerdings ist dies eine rein statistische Berechnung, die keine geographischen Begebenheiten berücksichtigt und deshalb ist zur Vorhersage völlig ungeeignet.
 
Eine wesentlich differenziertere Betrachtung nahm Ishibaschi Katsuhiko vor. Er stellte fest, dass sich die Erdbeben immer in einem gewissen Zyklus ereignen. Zuerst kommen mehrere kleinere Beben, ein grosses Kanto Beben bildet dann immer den Abschluss dieses Zyklus.
 
Das vorletzte grosse Kanto Beben ereignete sich 1703, das nächste Erdbeben der Stärke 6 (japanische Skala) ereignete sich erst wieder um 1855. Daraus lässt sich ableiten, das ein grosses Kanto Beben wie von 1923 nicht unmittelbar bevorsteht.


Das grosse Hanshin Erdbeben in Kyoto 1995
 

Im Januar 1995 zerstörte ein starkes Erdbeben die Stadt Kobe. Das Grosse Hanshin Erdbeben tötete 5'500 und verletzte 415'000 Personen. 100'000 Häuser wurden komplett und 185'000 teilweise zerstört.

Am Aufsehenerregendsten war der Zusammenbruch der Stadtautobahn, die als erdbebensicher galt. 
 

Mehr als 350 Feuer, die meist durch austretendes Gas entstanden waren, brannten mehr als 100 Hektar Wohnfläche nieder. Brücken und U-Bahn Tunnel stürzten ein, Schienen- Trassen und Strassen erlitten schwere Beschädigungen. Die Sachschäden werden insgesamt auf 95 bis 140 Milliarden U.S.- Dollar geschätzt. Das Beben erreicht einen Wert von 7,2 auf der Richterskala. Später stellen die japanischen Erdbebenforscher fest, dass es sich immerhin um die stärkste Erschütterung in Westjapan seit 1923 handelt.

Laut Untersuchungen der Universität Kyôto lag das Epizentrum dieses Bebens etwa 10 km von Kobe entfernt in der Nähe der Küste in etwa 20 Metern Tiefe. 

Auch in Kobe geht das Leben inzwischen wieder seinen gewohnten Gang. An die Stelle der eingestürzten Häuser sind Neue getreten, Strassen, Brücken, Tunnel und Schienen wieder repariert. Den Menschen, die damals für den Aufbau ihrer Häuser und Leben öffentliche Kredite aufnehmen mussten, will das Gesundheits- und Wohlfahrtsministerium laut einer Entscheidung vom 1. Juni 2000 ein zeitliches Aussetzen der Rückzahlungsauflagen gewähren, um die finanzielle Last von den Opfern des Erdbebens zu nehmen.




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