Samurai und Daimyo in Japan
Die Faszination, welche von den japanischen Kriegern bis heute sowohl in Japan als auch in der westlichen Welt ausgeht, lässt sich nur erklären, wenn der ausserordentliche Verhaltenskodex (Treue, Pflichtbewusstsein und Mut) der Samuraikrieger genauer erklärt wird.
 
Was ist ein Samurai?

Heutzutage wird der Begriff des Samurai sowohl im Westen als auch in Japan als Oberbegriff für alle Angehörigen dieses Standes verwendet. Im Mittelalter ist die Bezeichnung der einzelnen Klassen deutlich differenzierter gewesen. Das, was wir heute als Samurai bezeichnen, war zur damaligen Zeit nur der unberittene Krieger, der Fusskämpfer. Er besass kein Land und war einem Lehnsherrn verpflichtet, der ihm Unterhalt zahlte.

Es gab weitere Klassen von Kriegern: Über dem Samurai stand der Hatamoto. Er war im Besitz eines Pferdes und stellte sozusagen die Kavallerie dar. Desweiteren unterschied er sich vom Samurai dadurch, dass er keinem Lehnsherrn verpflichtet war. Er verfügte in der Regel über eigenen Besitz, den er selbst verwaltete oder sogar verwalten liess. Sein Einkommen belief sich auf mindestens 100 koku Reis (1 koku = 180 391 Liter). Die Hatamoto waren gegenüber den Samurai nur eine zahlenmässig kleine Gruppe.
 
Damiyô
 
Daneben gab es die Daimyô. Sie waren die Landesfürsten eines Gebietes und Lehnsherren der Samurai. Über ihnen stand nur der Tennô und der Shôgun. Der Begriff Shôgun umfasst sowohl das Amt als auch die Person, die es innehat. Er leitet sich von dem Wort seii tai shôgun ab, bedeutet "Oberbefehlshaber zur Niederwerfung der Barbaren" und wurde ursprünglich in der Heian-Zeit vorübergehend an Prinzen vergeben, die sich bei Strafexpeditionen ausgezeichnet hatten. Er war der oberste Befehlshaber über alle Daimyô. Theoretisch unterstand er nur dem Tennô, praktisch war der Shôgun aber derjenige, der de facto die Politik bestimmte. Seit der Tokugawa-Zeit wurden nur noch Vasallen des Shôgun mit mehr als 10 000 koku Einkommen als Daimyô bezeichnet.

Ronin
 

Neben diesen verschiedenen Abstufungen der Kriegerklassen existierte eine weitere: die Klasse der Ronin. Bei ihnen handelte es sich um verarmte Samurai oder solche, die ihre Stellung verloren hatten und nun einen neuen Lehnsherrn suchten. Besonders im 17. und 18. Jh. nahm die Zahl der Ronin deutlich zu, da einerseits kaum noch Kriege geführt wurden, die Samurai aber üblicherweise mit im Krieg gemachter Beute entlohnt wurden, andererseits aber den Samurai die Ausübung eines Berufes und das Geldverdienen verboten war.


Der Werdegang eines Samurai

Die Erziehung eines Samurai begann schon im Kindesalter; sie war zwar liebevoll, aber übermässig streng. Schon die Kleinsten wurden durch Erzählungen über Heldentaten vergangener Samurai für ihr späteres Kriegshandwerk zu begeistern versucht. Diese Erzählungen sollten in dem Kind den glühenden Wunsch wecken, so zu werden wie diese Vorbilder. Auch die körperliche Ausbildung begann schon im Kinderalter. Zu Anfang musste der Knabe im ungeheizten Zimmer spielen; er wurde bereits zur Morgendämmerung geweckt und oft entzog man ihm für eine gewisse Zeit die Nahrung. Mit zunehmenden Alter wurden auch die Prüfungen zusehends härter. Teilweise führten die Aufgaben, die dem jungen Samurai gestellt wurden, fast bis zu seinem Tod. Er musste im Winter barfuss zum benachbarten Tempel laufen, wo er Lesen und Schreiben lernte, und später sollte er seine Angst beherrschen lernen, indem er die Nacht auf Friedhöfen oder Richtplätzen zwischen den Verstorbenen verbringen musste.

Die Waffenausbildung der Samurai begann ebenfalls sehr früh. Mit fünf Jahren wurde der zukünftige Krieger in einer feierlichen Zeremonie symbolisch eingekleidet und mit einem Schwert gegürtet. Die ersten Unterrichtsfächer waren Schwimmen, Reiten und Jiu-Jitsu, die Kunst der waffenlosen Verteidigung.

Es wurde Wert darauf gelegt, dass der junge Samurai in bester körperlicher Verfassung war. Mit sieben Jahren bekam er den Umgang mit dem Kurzschwert beigebracht; im Falle eines Gesichtsverlusts musste schon der siebenjährige Samurai seppuku (Selbstmord) begehen.

Es folgte der Unterricht im Speerkampf, im Bogenschiessen und im Fechten. Der angehende Samurai wurde ferner in der schwierigen Kunst des Schwertkampfes, des kenjutsu unterwiesen. Das erste, was der Samurai beim kenjutsu lernte, war das schnelle Schwertziehen, iaido. Es ging darum, aus jeder beliebigen Lage schnell das Schwert zu ziehen und eine Kampfposition einzunehmen. Danach folgte die Erlernung der 16 vorgeschriebenen Grundschläge: abwärtsgerichtete, aufwärtsgerichtete, schräge und kreisende Schläge. Erst dann folgte der eigentliche Schwertkampf: die verschiedenen Verteidigungs - und Angriffsmethoden. Höhepunkt jeder kenjutsu-Ausbildung war der Kampf mit zwei Schwertern. Er verlangte vom Samurai höchste Koordinationsfähigkeit und Geschick. Viele Samurai haben es hier zur Meisterschaft gebracht. Berühmtester Vertreter dieses Kampfstils war Miyamoto Musashi.

Samurai, die es sich finanziell leisten konnten, schickten ihre Kinder nach deren Grundausbildung noch auf eine staatliche oder private Schule.

Mit 15 Jahren wurde der junge Samurai für mündig erklärt. In einer feierlichen Zeremonie, dem sogenannten gempuku, legte er seinen Knabennamen ab und erhielt seinen Männernamen, den er bis zu seinem Tod trug (danach erhielt er wiederum einen neuen Namen). Ausserdem war es ihm von nun an erlaubt, den Haarschnitt eines Samurai zu tragen. Das Vorderhaar wurde geschoren, und das Hinter- und Schläfenhaar musste er lang wachsen lassen; mit einem Bindfaden aus weissem Papier wurde es zusammengehalten, mit Pomade getränkt und bügelförmig über den Scheitel gezogen. Dies wurde als Zopf bezeichnet, als mage. Weiterhin erhielt er Lang- und Kurzschwert. Zum Abschluss überreichte man ihm das eboshi, die Lackmütze für den Alltag, und das kammuri, die spitze Mütze für feierliche Anlässe.

Neben der körperlichen Ausbildung erhielten die Söhne der Samurai auch eine intellektuelle. In jedem Gebiet (han) gab es eine Schule (juku) für die Samuraisöhne. Mit Ausnahme der Kinder des Shôgun, der Daimyô und wohlhabender Samurai gingen Samuraisöhne dorthin. Den höhergestellten Kindern wurde an staatlichen Schulen (hanko) Unterricht erteilt. Hier lernten sie das Lesen der chinesischen Klassiker und konfuzianischer Schriften, natur- wissenschaftliche Fächer wie Mathematik, Medizin und Arzneikunde; hinzu kamen Kalligraphie mit Pinsel und Tusche und das Erlernen eines Musik- instrumentes. Das letztere sollte dazu dienen, den kriegerischen Geist zu besänftigen und die Gedanken von blutigen Schlachten abzulenken. Für das Erlernen des "richtigen" Verhaltens gab es verschiedene Schulen in Japan. Jede aber unterrichtete folgende fünf "Kampfeigenschaften", die einen Krieger auszeichnen sollten:

- ruhig wie der Wald
- unbeweglich wie der Berg
- kalt wie Nebel
- schnell im Entschluss wie der Wind
- im Angriff stürmisch wie das Feuer 


Bushidô - Der Weg des Kriegers

Im Laufe der Zeit bildete sich in der Kriegerkaste eine Vorstellung über das moralische Verhalten. Dieser Kodex wird bushidô - der Weg des Kriegers genannt. In seiner Anfangszeit wurde er mündlich überliefert; erst im 17. Jh. wurde er erstmals schriftlich niedergelegt. Der Samurai orientierte sein Leben an den drei grundlegenden Tugenden: Treue, Pflichtbewusstsein und Mut.

Mit Treue, chugi, ist die älteste und ehrwürdigste Tugend eines Samurai gemeint: die Treue zu seinem Lehnsherrn. Es galt als oberstes Gebot, seinem Herrn überall und zu jeder Zeit, die Treue zu halten. In dem berühmten Bekenntnis eines Samurai aus dem 18. Jh. heisst es: "Wo wir auch sind, immer und überall ist es unsere Pflicht, das Wohl unseres Herrn zu wahren. Das ist das Rückgrat unseres Glaubens, unwandelbar und ewig wahr." Es ist immer wieder die Rede von der Aufopferung gegenüber dem Lehnsherrn, nie aber von der Aufopferung gegenüber dem Kaiser. Die Samurai verachteten die verweichlichten Adligen am Kaiserhof. Die Sitten und Gebräuche des Kaiserhofs hatten nichts mit dem bushidô zu tun.

Als zweite Tugend galt das Pflichtbewusstsein, giri. Dahinter verbirgt sich ein ganzes Bündel moralischer Forderungen: die Selbsterziehung zur Aufrichtigkeit, zur Bedürfnislosigkeit und zum Anstand, ausserdem waren Ehrerbietung gegenüber Vorgesetzten, den Eltern, dem älteren Bruder, dem Freund und den Ahnen, Höflichkeit gegen jedermann, Mitgefühl mit Menschen in Not, Grossmut gegenüber Kranken, Schwachen und Unterdrückten und Achtung gegenüber dem Feind gefragt.

Als dritte Tugend galt der Mut, yu. Nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch im zivilen Leben sollte der Samurai ‘das Rechte’ tun, selbst wenn ihn das sein Leben kosten konnte. Wie die Lehre des Bushidô besagt: "Rechttun ist alles, das Leben dagegen nichts".

Diese Richtlinien stellten fast übermenschliche Ansprüche. Eine genaue Befolgung aller Aspekte des bushidô stürzten den Samurai nicht selten in eine moralische Zwangslage, aus dem ihm häufig nur der Weg des Selbstmordes blieb, um so sein Gesicht zu wahren. Gerade in der Anfangszeit des bushidô wurden diese Richtlinien jedoch offensichtlich nicht genau befolgt, und auch in späterer Zeit kam es immer wieder vor, dass Samurairegimenter zum Feind überliefen (z.B. in der Schlacht bei Sekigahara) oder dem Lehnsherrn die Treue versagten.


Seppuku

Einem Samurai ging seine Ehre über alles und im Namen der Ehre wurden oft blutige Schlachten geschlagen. Verlor der Samurai sein Gesicht, blieb ihm nur das seppuku, der rituelle Selbstmord, um sein Gesicht zu wahren. Auch die Treue zu seinem Herrn oder der Protest gegen dessen Fehlverhalten konnte einen Samurai veranlassen, sein Leben ehrenvoll zu beenden. Gerade dieser Aspekt des Selbstmordes – aus Pflichtbewusstsein gegenüber dem Herrn nach dessen Tod sich ebenfalls zu töten – führte dazu, dass 1651 das bakufu (Militärregierung) diesen Aspekt des rituellen Selbstmord (junshi) verbot. Das seppuku selbst entwickelte sich wohl in der Zeit zwischen 1150 und 1170. Hintergrund des "Bauchaufschlitzens" ist der Glauben, dass die Seele im Bauch sitzt. Im Jahre 1191 erhob der Shôgun Yoritomo Minamoto das seppuku zum Privileg der Kriegerkaste. Das seppuku war den Männern vorbehalten, Frauen begingen Selbstmord, indem sie sich mit einem Dolch die Halsschlagader aufschnitten.

Das seppuku selbst hatte einem bestimmten Ritual zu folgen:

In einem weissen Gewand, das Trauer symbolisierte, kniete der Selbstmörder auf einem kleinen scharlachroten Filzteppich, der über einen weissen Teppich gelegt wurde. An beide Seiten stellte man zwei kleine Bäumchen. Die Selbsthinrichtung wurde entweder im eigenen Haus oder in einem Tempel vollzogen. Neben dem Selbstmörder kniete ein "Ehrenmann" (kaikashu), ein Verwandter oder guter Freund, der nach dem seppuku den Kopf des Selbstmörders abschlug. Ein seidenes Kissen wurde vor dem Haupt des Selbstmörders ausgebreitet, damit das Blut nicht den Teppich verschmutzte. Ein Tischchen oder ein weisses Gestell, auf dem ein in Papier gewickelter Kurzspeer lag, wurde dem Delinquenten hingestellt. Nach einer tiefen Verbeugung bekannte er seine Schuld und verbeugte sich noch einmal. Er liess die Oberbekleidung fallen, band die Ärmel um die Knie, um dadurch das Rückwärtsfallen des Körpers zu verhindern. Ein edler Mann hatte auch bei seinem Tode nach vorne und nicht nach hinten zu sinken. Nach kurzem Betrachten des Kurzschwertes wurde dieses unterhalb des Gürtels in die linke Seite gestossen, das Schwert wurde langsam zur rechten Seite gezogen. Indem das Schwert in der klaffenden Wunde umgedreht wurde, kam es zu einem kleinen Schnitt nach oben. Obwohl der Verurteilte ungeheure Schmerzen ertragen musste, durfte er keinen Muskel seines Gesichtes verziehen. Jetzt beugte er sich nach vorne und streckte seinen Hals vor, damit der Helfer aufspringen konnte, um schnell den Kopf vom Rest des Körpers zu trennen. Nach Vollendung verbeugte sich der Helfer, und das Ritual war beendet.


 

Die Samurairüstung

Im Gegensatz zu europäischen Rittern, deren Rüstung im Laufe der Zeit zu einem fest abgeschlossenen Metallpanzer wurde (einem sogenannten "Plattenharnisch"), war die Rüstung eines Samurai ganz anders aufgebaut. Sie bestand vom Unterkleid bis zu den Panzerhandschuhen aus mindestens 23 Einzelteilen, die in mehreren Schalen übereinander lagen. Die verschiedenen Schichten konnten sich dabei gegeneinander verschieben. Darin unterschieden sie sich von europäischen Ritterrüstungen, deren Panzer starr war und den Träger in eine Art steife Puppe verwandelte; dessen Bewegungsfreiheit war dadurch erheblich einschränkt. Eine Samurairüstung hingegen ermöglichte dem Träger ungehinderte Bewegung; er konnte ohne Hilfe in den Sattel steigen, rennen, springen, klettern und sogar schwimmen. Ausserdem bot sie gegen Pfeil, Lanze und Schwert hinreichenden Schutz. Ein weiterer Vorteil dieser Rüstung war auch ihr geringeres Gewicht. Wo Ritter sich mit 25 - 35 Kilo schweren Rüstungen abschleppten (die schwerste europäische Kriegsrüstung wog 46 kg, Gefechts- rüstungen für Turniere sogar noch mehr), mussten sich Samurai nur mit einem zusätzlichen Gewicht von 10 - 15 kg in der Schlacht bewegen. 

Neben dem Schutz ihres Trägers hatte sie weitere Aufgaben: Mit ihren leuchtenden Farben und kunstvollen Verzierungen stellte sie den Rang ihres Trägers klar heraus; ferner sollte sie dem Feind imponieren und ihm Angst einjagen. Ein Samurai legte seine Rüstung immer in einer bestimmten Reihenfolge an:
 
Unter der eigentlichen Rüstung trug der Samurai eine Unterhose aus Leinen. Darüber zog er einen leichten Kimono und darüber eine weite Hose. Deren weite Beinlöcher wurden von Stoffgamaschen zusammengehalten, die Socken und die Hose fest miteinander verbunden. Zum Schutz der Unterschenkel legte der Samurai lederne, mit Metallspangen besetzte Beinschienen an, während die Oberschenkel von einer gespaltenen Lederschürze abgeschirmt wurden. Die Hände steckten in Lederhandschuhen mit metallbewehrtem Rücken. Mit Metall bewehrt waren auch die Unterarmschienen und Teile der Lederweste. Jetzt erst zog der Samurai den eigentlichen Panzer über, der aus Brustteil, Rückenteil und einem kurzen, geteilten Rock bestand. Darüber knüpfte er grosse, bewegliche Flügel zum Schutz der Schultern. Ein breiter Ledergürtel, Dolch, Wehrgehänge und langes Kampfschwert vervollständigten die Rüstung. Zuletzt legte der Samurai das gepolsterte Helmband, die lederne Gesichtsmaske und schliesslich den reichgeschmückten Helm an.


Das Schwert des Samurai

Die wichtigste Waffe eines Samurai war sein Schwert. Es verkörperte für ihn die Werte des bushidô. Der Samurai trennte sich nur in besonderen Situationen von seiner Waffe, bei Audienzen, bei Besuchen und zu Hause.

Das Samuraischwert machte im Laufe der Zeit einige Entwicklungen durch:
 
In der Frühgeschichte Japans war die Hauptwaffe der Krieger das Ken. Hierbei handelte es sich um ein Langschwert mit gerader, beidseitig geschliffener Klinge. Zur Parierstange hin verdickte sich die Klinge etwas, so dass sie in diesem Bereich auch zur Abwehr gebraucht werden konnte. Der Ursprung dürfte bei chinesischen und koreanischen Schwertern zu suchen sein. Das Ken war bis in die Heian-Zeit (794-1185) in Gebrauch. Es wurde dann von der Schwertform abgelöst, die man heute noch als "typisch japanisch" versteht. Das nun in Gebrauch gekommene Schwert wurde Tachi, das Lange, genannt. Es hatte eine Länge von 65 - 70 cm und wies eine starke Krümmung (sori) der Klinge auf. Es wurde häufig vom Pferderücken aus gebraucht. Das Tachi war von der Heian-Periode bis in die frühe Muromachi-Zeit (» 1380) in Gebrauch. In der Folge entstand die Katana, die bis in die Neuzeit in Gebrauch blieb. Die Katana hat eine Länge von 2 shaku und mehr, was etwa 60,6 cm entspricht; es gab jedoch auch Klingen, die über dieses Mass hinausgingen.

In der Edo-Periode (1603-1868) nahmen die kriegerischen Handlungen ab, und den Herrschern wurden die längeren Kriegsschwerter zu gefährlich; die Länge der Klinge wurde gesetzlich auf ein kürzeres Mass festgelegt. Die Krümmung der Klinge war zudem nicht mehr so stark ausgeprägt wie beim Tachi.

Betrachten wir einige Bezeichnungen zur zeitlichen Einordnung der Schwerter: Schwerter, die vor 1573 hergestellt wurden, werden als koto bezeichnet. Solche zwischen 1573 und 1760 als shinto, und solche zwischen 1772 und 1925 als shin shinto. In neuerer Zeit wird noch einmal genauer unterschieden. Gendaito sind Schwerter, die nach der Öffnung Japans 1876 geschaffen wurden. Klingen, die für das japanische Militär im 2. Weltkrieg geschmiedet wurden, werden gunto genannt. Letztere werden und wurden häufig nicht in der traditionellen Weise hergestellt.

Normalerweise wurden die Schwerter aber nicht einzeln, sondern paarweise getragen. Dieses Schwerterpaar, daisho, bestand entweder aus dem Tachi und einem Dolch, Tanto, oder aus der Katana und einem Kurzschwert, Wakizashi. Das Wakizashi hatte eine Klingenlänge zwischen 12 und 24 inches (28,8 cm und 57,6 cm). Es verfügte wie das Langschwert über einen Handschutz. 
 
Der Tanto war kleiner als das Wakizashi, unterschied sich aber sonst in nichts vom Wakizashi. Beide, Tanto und Wakizashi, wurden nur zum Schlafen abgelegt, lagen dann aber immer in Reichweite des Samurai. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Schwerterpaaren bestand in der Anbringung. 

Das Tachi hatte eine Vorrichtung, die die seitliche Befestigung links am Gürtel ermöglichte und es frei herumschwingen liess; so konnte es leichter gezogen werden. Der Tanto wurde vorne griffbereit in den Gürtel gesteckt (Kriegsdaisho). Bei Katana und Wakizashi verhielt es sich anders: Das daisho wurde leicht überkreuzt in den Gürtel gesteckt, so dass es fest fixiert war (Zivildaisho).
 
Tanto oder Wakizashi wurden auch von Frauen verwendet. Viele der Samuraifrauen hatten eine Ausbildung im Kampf mit diesen beiden Waffen und/oder einem leichten Wurfspeer genossen. Man erwartete von ihnen, dass sie sich im Falle eines Kampfes damit zur Wehr setzten.
 
Der in Zentraljapan vorhandene Sand verfügt über einen hohen Anteil an Eisen. Dies begünstigte die Entwicklung der Schwertschmiedekunst. In keinem anderen Land dieser Erde dürfte die Kunst des Schwertschmiedens einen so hohen Grad erreicht haben. Nur Waffen aus Toledo- oder Damaszenerstahl dürften den japanischen Schwertern an Elastizität und Schärfe gleichkommen. Ein solches Schwert war für seinen Besitzer unbezahlbar und konnte selbst häufig mit Landbesitz nicht aufgewogen werden. Im 12. Jh. vertrat der Kaiser Go-Toba sogar die Ansicht, die Schwertschmiedekunst sei eines Prinzen würdig. Die Schwertschmiedemeister oder Kaji waren hochgeachtete Leute, und Waffen von Meistern wie Gô-Yoshihiro, Masamune oder Yoshimitsu sind damals wie heute unbezahlbar und Meisterwerke ihrer Art. Das Schwertschmieden selbst war ein Ritual, und das Schmieden einer Klinge konnte bis zu zwei Jahre dauern. Das Schmieden selbst lief wie folgt ab:
 
"Der Kaji und seine Helfer begannen ihr Werk mit der rituellen Reinigung von Geist und Körper. Sie legten weisse Gewänder an, befolgten eine strenge Diät und enthielten sich aller weltlichen Freuden, die ihre Aufmerksamkeit von dem todbringenden Meisterwerk hätten ablenken können. Nachdem sie Reispapierstreifen in der Schmiede aufgehängt hatten, um böse Geister fernzuhalten, machten sie sich an ihr mühseliges Werk; manchmal beanspruchte die Anfertigung eines Schwertes bis zu zwei Jahre.

Zuerst kam das Roheisen in mit Holzkohle betriebene Schmelzöfen. Der Rat eines alten Meisters lautete, das Eisen so lange zu erhitzen, bis es die "Farbe des Mondes annimmt, der an einem Juni- oder Juliabend seine Reise durchs Firmament antritt". Dann hämmerte der Schmied alle Unreinheiten aus dem Eisenbarren heraus, um ihn dann flachzuschmieden und zu falten. Dieser Prozess wurde unzählige Male wieder- holt und die glühenden Eisenstücke immer wieder im Wasser abgeschreckt.

So entstand aus einem Barren von rund 22 Pfund eine Klinge, die nur noch zwischen drei und vier Pfund wog und aus vielen Tausenden hauchdünner Schichten bestand. Ganz besondere Aufmerksamkeit widmete der Kaji der Schneide und dem hamon, der Begrenzungslinie zwischen Klinge und Schneide, vom Heftzapfen bis zur Schwertspitze. Variationen im hamon erhöhten die Schönheit und die Stärke der Klinge. Hatte sie den richtigen Härtegrad, die optimale Geschmeidigkeit und Schärfe, dazu eine feine Maserung, tauchte der Schmied sein Werk ein letztes Mal ins Wasser, um es dann nicht selten zu signieren.
 
Die polierte Klinge wurde anschliessend noch mit der tsuba, dem Stichblatt, und dem Griff versehen, bevor der Meister sein Werk mit Scheide und vielleicht noch einigem anderen Zubehör dem Samurai überreichte, der seiner Klinge häufig einen Namen gab".
 
Der Samurai hatte das Recht, eine geschmiedete Klinge, die er in Auftrag gegeben hatte, auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Dazu verwendete man gerne die Leichen von Verbrechern, oder man testete sie an zum Tode verurteilten Personen. Dieser "Test" verlief folgendermassen: Man spannte den Leichnam oder die Person über einen Sandhaufen und versuchte dann, den Körper in der Mitte mit einem einzigen, gewaltigen Hieb zu zerteilen. Eine weitere Variante war es, den Körper an einem Seil aufzuhängen und dann den Schlag auszuführen. Es gab regelrechte Anleitungsbücher über die Stellen, wo ein Schlag anzubringen war, wie schwer er auszuführen war und wie sein Name lautete. Die Testergebnisse wurden meist auf dem Schwertgriff, nakago, vermerkt.


Andere Waffen
 
Neben dem daisho verwendeten die Samurai noch weitere Waffen, nämlich den Bogen (kyu), den Speer (yari), die Schwertlanze (naginata) und die Muskete.

Der japanische Bogen unterscheidet sich deutlich vom europäischen Bogen. Seine Länge beträgt zwischen 180 und 220 cm. Der Spannpunkt (wo der Pfeil abgeschossen wird) liegt im unteren Drittel des Bogens. Dadurch wird der Bogen asymmetrisch. Das hat zur Folge, dass der Bogen vom Pferd aus immer nur zur Seite abgeschossen werden kann; es sei denn, der Reiter sitzt im Damensitz auf dem Pferd. Durch die veränderte Sitzrichtung wird es dem Reiter möglich, auch nach vorne oder hinten zuschiessen.

Zudem bedarf es einer besonderen Spanntechnik, um den Bogen ohne grösseren Kraftaufwand abzufeuern. Der Bogen besteht aus mehreren Lagen feinsten Bambusholzes. Er hat eine maximale Reichweite von etwa 300 m. Geübte Schützen konnten auf 150 m noch bewegliche Ziele von der Grösse eines Schäferhundes sicher treffen.
 
Der Samurai begann den Kampf, indem er seinen Gegner mit Pfeilen beschoss. Dazu trug er einen Köcher mit 25 Stück auf dem Rücken. Die Pfeile hatten eine Länge von einem Meter und hatten rasiermesserscharfe Pfeilspitzen, zum Teil mit grässlichen Widerhaken. Daneben führte der Samurai noch Pfeile mit, die als Brandpfeile, zum Zerschiessen von Seilen oder zur Verwirrung des Feindes dienten (der Pfeilkopf war hohl und mit einer Öffnung versehen, wodurch während des Fluges ein pfeifendes Geräusch erzeugt wurde).

Eine weitere Waffe der Samurai war die Lanze oder der Speer (yari). Er kam im 14. Jh. auf, nachdem viele Samurai statt zu Pferd zu Fuss kämpften. Der yari hat eine Schaftlänge von 2 bis 2,5 m. Die Spitze hat ein langes, beidseitig geschliffenes Blatt.

Die Qualität dieses Klingenblatts - ebenso wie bei der naginata - steht der der Schwerter in nichts nach. Am unteren Ende des Speerschaftes befindet sich ebenfalls eine kleine Spitze, so dass man mit dem Speer nach zwei Richtungen kämpfen kann. Samurai werden auf japanische Holzdrucken (Ukiyo-e) gerne dargestellt.

Neben dieser Standardform des Speeres gibt es noch zahlreiche weitere Varianten. Die Speerspitze konnte aus zwei oder mehreren Spitzen bestehen (Dreizack), es konnten seitlich an die Spitze noch Haken, Messer oder Beile angeschmiedet werden (wie Hellebarde oder Pike); der Speer konnte mit Stacheln versehen werden, oder das Klingenblatt war nicht geschliffen, sondern gezahnt, was fürchterliche Wunden riss.

Ausser dem yari gab es noch die naginata, die Schwertlanze. Wie der Name schon vermuten lässt, war die Waffe eine Mischung aus Speer und Schwert. Die Schaftlänge betrug ungefähr 1,60 m, und darauf war eine klingenförmige Spitze angebracht, die ebenfalls eine leichte Krümmung aufwies.

Im Gegensatz zum yari, bei dem eine stechende Kampfweise vonnöten war, kämpfte man mit der naginata in schwungvollen Hieben, ähnlich wie mit einem Schwert oder einer Sichel.

Als letzte Waffenart, die bei Kämpfen zum Tragen kamen, waren die Musketen. Feuerwaffen wurden erstmals 1543 in Japan eingeführt. In diesem Jahr legte ein portugiesisches Handelsschiff an der südjapanischen Insel Tanegashima an. Der dortige Daimyô bekam von dem Kapitän des Schiffes einige Musketen als Gast- geschenk. Nachdem die Portugiesen demonstrierten, wie die neuen Waffen funktionierten, beauftragte der Daimyô seine Waffenschmiede, diese nach- zubauen. Ein halbes Jahr später konnten schon 600 Mann damit ausgerüstet werden. 
 
Bei den Musketen handelte es sich um Vorderladergewehre, die mit einer Zündschnur gezündet wurden. Ein geübter Schütze konnte fünf Schuss in der Minute abfeuern. Überall im Land wurden nun Musketen hergestellt. In der Küstenstadt Sakai in der Nähe von Osaka entwickelte sich sogar so etwas wie eine Gewehrindustrie. Die neuen Waffen revolutionierten die Kriegsführung. Dank ihnen konnte Oda Nobunaga in der Schlacht bei Nagashimo 1575 durch seine 3000 Musketiere den entscheidenden Sieg erringen.

Obwohl von da an ein Feldherr ohne Musketen keine Aussichten auf einen Sieg hatte, wurden Musketen immer als verachtungswürdige Waffen angesehen. Jeder Fürst bediente sich ihrer; ihren Gebrauch überliess er aber gerne Personen niedrigeren Standes. Sie entsprachen nicht dem bushidô. Aus diesem Grund wurden sie auch nie weiterentwickelt. Als sich im 19. Jh. Japan der restlichen Welt öffnete, waren die Gewehre immer noch dieselben Vorderlader, wie sie die Portugiesen 300 Jahre früher in Japan eingeführt hatten.




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